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Künstlerisches Archiv · Kosmotechnik · Force-Directed Graph · CLIP · Lokale KI · Wissensarchitektur · Speculative Lab

Anarchivo — ein Archiv, mit dem man spricht · 2026

Anarchivo — ein Archiv, mit dem man spricht

Ein Arbeitsarchiv für 23 Jahre künstlerische Praxis — 1.126 Knoten, 2.794 Relationen — das Ordnung nicht automatisiert, sondern drei Arten des In-Beziehung-Setzens nebeneinanderstellt: die erklärte (Konzepte), die berechnete (visuelle Ähnlichkeit) und die körperliche (Bilder von Hand zusammenrücken). Eigene Praxis, im täglichen Gebrauch seit Herbst 2026.

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Anarchivo — ein Archiv, mit dem man spricht

encontrarme con el caos intuitivamente, acumulativamente, y establecer — conversacionalmente o a través de gráficos — relaciones — Bitácora, Oktober 2026

Rolle

Konzept · Creative Direction · System Architect · Full-Stack-Entwicklung

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Ausgangslage / Problem

Eine künstlerische Praxis von über zwei Jahrzehnten — Live-Cinema, Installation, Sound, Lehre, kollektive Projekte — hinterlässt kein Archiv, sondern Material: Werkbeschreibungen, Essays, Bitácora-Einträge, Ausschreibungen, Fotos von Objekten, Videostills, Bilder vom Telefon. Das öffentliche Dossier zeigt das Abgeschlossene. Was fehlte, war ein Ort für das Unabgeschlossene: wo laufende Arbeit, Lab-Projekte und 900 Bilder einander begegnen, bevor sie zu einem Konzept werden.

Herkömmliche Werkzeuge — Asset-Management, Moodboards, Notiz-Apps — bringen ihre eigene Ordnung mit: Ordner, Tags, Suchtreffer, zunehmend „smarte" Vorschläge. Ihre stille Annahme ist, dass Ordnung etwas ist, das man an die Maschine abgibt. Für eine Praxis, deren Gegenstand gerade Archiv, Opazität und Medienarchäologie sind, wäre das ein struktureller Widerspruch: das Werkzeug würde gegen das Werk arbeiten.

Die Frage war deshalb nicht „Wie finde ich schneller?", sondern: Welche Technik passt zu dieser Art zu denken?

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Meine Rolle / Beitrag

Konzept, Architektur und Umsetzung aus einer Hand — als Werkzeug der eigenen Praxis, das Anschluss an die Lab-Forschung zu aktiven Archiven sucht (Siegfried Zielinskis AnArchiv, die Frage nach der Kosmotechnik bei Yuk Hui).

Leitende Entscheidungen, sichtbar in der Architektur:

  • Die Ordnung setzt der Mensch. Der Graph entsteht aus dem, was in jedem Projekt erklärt wird: seine Konzepte aus einem handkuratierten Vokabular von 18 Begriffen, mit wem, womit verwandt. Das System errät keine Bedeutungen aus dem Text.
  • Die Maschine schlägt vor, sie ordnet nicht. Visuelle Ähnlichkeit zwischen Bildern (CLIP) wird berechnet und angeboten — verschiebt den Graph aber nicht. Die Maschine findet mehr als doppelt so viele Verbindungen (1.296) wie erklärt sind (511); sie bleiben Angebot, nicht Struktur.
  • Langsam mit Absicht. Ein Bild zu katalogisieren, eine Konstellation zu benennen, ist Archivarbeit. Das Werkzeug macht sie sichtbar, statt sie zu ersetzen. Es erfindet nichts: neue Werkkarten entstehen mit leeren Feldern und einer Leitfrage, nicht mit generiertem Text.
  • Das Archiv gehört niemandem außer der Praxis. Alles lebt als Markdown und Bild in eigenen Ordnern. Das Dashboard liest nur; löscht man es, bleibt das Archiv vollständig. Das Gespräch läuft mit einem lokalen Modell, und jede Unterhaltung trägt den Vermerk: Was das Modell sagt, sind seine Vorschläge, nicht die Überzeugungen des Künstlers.
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Lösung / Ergebnis

Eine Schwelle mit einer Suche — dahinter fünf Arten, durch dasselbe Material zu gehen:

  • Graph: jedes Konzept als Fläche, ein Projekt mit mehreren Konzepten liegt in ihrer Schnittmenge. Drei Detailebenen (Figur · Werk · Alles); ein Fokus ordnet seine Nachbarn im Ring. Leise Knoten — Bitácora, Essays, Bilder — nennen ihren Namen erst, wenn eine Suche oder ein Fokus sie berührt.
  • Mesa (Leuchttisch): Bilder kommen als Ebenen auf den Tisch — aus einer Suche, einem Fokus, einer Konstellation — und werden von Hand verschoben, vergrößert und durch gezogene Fäden verbunden. Hier entsteht die dritte, körperliche Art der Relation: Nähe, die niemand berechnet hat.
  • Konstellationen: eine benannte Auswahl von Bildern und Texten — die Vorstufe eines Konzepts. Sie werden als eigene Dateien gespeichert und erscheinen als eigener Graph.
  • Conversar: ein Gespräch mit dem eigenen Archiv über ein lokales Modell, das mit Verweisen auf die konkreten Werkkarten antwortet; jede Unterhaltung wird als Datei ins Archiv zurückgeschrieben.
  • Liste, Ordner: dieselbe Welt nüchtern — nach Typ, oder als Lebenszyklus von Quelle über laufend und veröffentlicht bis Labor.

Dazu ein Weg vom Telefon ins Archiv: ein schlanker Upload-Dienst schreibt über WebDAV direkt in die Cloud des Ateliers, ohne dass der Rechner laufen muss — verkleinert, richtet nach EXIF aus, überschreibt nie, und hält dieselben Regeln ein wie der lokale Weg.

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Impact / Mehrwert

  • 23 Jahre in einem Beziehungsraum: 1.126 Knoten (923 Bilder, 133 veröffentlichte Arbeiten, 15 laufende, 13 Lab-Projekte, 13 Essays), Zeitraum 2003–2026.
  • Drei Ordnungen nebeneinander, keine dominiert: 511 erklärte konzeptuelle Relationen, 1.296 berechnete visuelle, dazu die von Hand gezogenen Fäden auf dem Leuchttisch — 2.794 Relationen insgesamt.
  • Technik mit ausgesprochener Haltung: die Prinzipien (Ordnung durch den Menschen, Langsamkeit, Lokalität, Vorschlag statt Urteil) sind nicht Manifest, sondern Verhalten der Software — nachprüfbar in jeder Ansicht.
  • Übertragbar, ohne Produkt zu werden: die Ordnerstruktur ist konfigurierbar, und eine eigene Anleitung beschreibt, wie andere Künstler:innen und Forschende ihr eigenes Anarchivo aufsetzen — mit eigenem Vokabular, eigener Grammatik.
  • In drei Wochen vom Konzept in den täglichen Gebrauch (erste Version Ende September 2026), seitdem Arbeitsoberfläche des Ateliers.
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Was daraus folgt

Anarchivo ist kein Produkt. Es ist die Antwort einer Praxis auf die Frage, welche Technik zu ihr passt — und genau deshalb übertragbar als Begleitung: anderen Künstler:innen, Forschenden oder Institutionen helfen, ein Archiv aufzubauen, dessen Ordnung aus ihrem eigenen Werk kommt, nicht aus dem Werkzeug.

Zeitraum

2026

Rolle

Konzept · Creative Direction · System Architect · Full-Stack-Entwicklung

Skills

Astro · JavaScript · d3-force · sharp · Node.js · WebDAV / Nextcloud · Railway · Konzept · Informationsarchitektur · Interaktionsdesign · System Architect · Archiv · Medienarchäologie · Künstlerische Forschung

Nächster Schritt

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Anarchivo — ein Archiv, mit dem man spricht.

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